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Nirgendwo auf der Welt wird soviel Sekt getrunken wie in Deutschland. Aber was ist das eigentlich, Sekt? Wie kommt er zu seinem Namen? Aber vor allem, was kann William Shakespeare dafür?

Am 4. August 1693 rief der Mönch der Abtei von Hautvillers in der Champagne, Dom Perignion: „Venez mes frères, vite, je bois des étoiles!” (Kommt schnell, Brüder, ich trinke Sterne!). Dies gilt als erster Hinweis auf die Existenz von Schaumwein in Frankreich, den der blinde Kellermeister durch einen Zufall entwickelte. Dabei kämpfte er sein Leben lang gegen die zweite Gärung seiner liebevoll gekelterten Weine, war aber am Ende dann doch stolz auf seinen ersten „vin mousseux”.

Doch schon zwei Jahrzehnte zuvor kannte man in England den Schaumwein, der so beliebt war, dass er 1667 sogar in einem Gedicht auftauchte. Die Engländer hatten damals bereits Glasflaschen, die dem Druck der Gärung standhielten. Und sie hatten Korken. Auszug aus einem achtseitigen Dokument des Christopher Merret vom 17. Dezember 1662: „ ...dass unsere Weinerzeuger in jüngster Zeit allen Arten von Weinen Zucker und Melasse zusetzen, um sie frisch zu halten und perlend zu machen.” Das war sechs Jahre bevor Dom Perignon zu experimentieren begann und 70 Jahre vor der Gründung des ersten Champagner-Hauses in Frankreich.

 
Kloster Maulbronn

Kloster Maulbronn

 

Die Wortschöpfung „Schaumwein” kommt von Johann Gottfried Herder, der 1779 das französische Wort „Mousse” mit Schaum übersetzte. „La mousse” (Moos) ist im Französischen die mit einem Moosüberzug vergleichbare Schicht, die sich am Glas absetzt, wenn die Kohlensäure freigesetzt wird. Wer in Deutschland zuerst den schäumenden Wein herstellte, ist nicht sicher. Nach einigen Schriften war es der Prälat Spengler, der im Zisterzienser-Kloster Maulbronn im Württembergischen einen dem Champagner ähnlichen schäumenden Wein erzeugte. Andere Quellen berichten vom Kellermeister Peter Gimbel, der 1790 für ein Kostümfest beim Mainzer Kurfürsten prickelnden Wein aus der kurfürstlichen Kellerei ausgeschenkt haben soll.

Die Pioniere der deutschen Sekterzeugung waren jedenfalls junge Winzer, die nach Frankreich gingen, um Erfahrungen in der Champagne zu sammeln. Einige blieben dort, heirateten ein oder gründeten eigene Kellereien. Grund, warum viele französische Champagnerhäuser so wenig französisch klingende Namen haben. Viele kehrten aber zurück in die Heimat und begründeten die deutsche Sektkultur.

Die älteste Sektkellerei ist die von Georg Christian Kessler in Esslingen. 1849 gab es in Deutschland bereits 43 Betriebe. Sekt machte von sich reden. 1872 lag die Jahresproduktion bei vier Millionen Flaschen. Das Sektgeschäft florierte derart, dass 1888 die Frankfurter Zeitung notierte: „An der Spitze der rheinischen Exporthäuser steht die weltbekannte Firma Deinhard & Co. in Koblenz, welche 87.988 Gallonen an Fass und Kisten (4.000 Gallonen mehr als 1886) nach den Vereinigten Staaten schiffte.”

Die Weltausstellung in Paris brachte 1876 die erste Goldmedaille für deutschen Sekt - und machte ihn damit zum offiziellen Konkurrenten des französischen Champagners. „Rheingold”, ein Riesling-Sekt aus dem Hause Söhnlein in Wiesbaden, wurde weltweit zum Begriff.

Der deutsche Kaiser Wilhelm I. war so begeistert vom Rheingold, dass er anordnete, bei Schiffstaufen nur noch Rheingold zu zerschmettern - und zu trinken! Kaiser Wilhelm II. hatte noch ein ganz anderes Interesse an Sekt: Er führte die Sektsteuer ein, weil er dringend Geld benötigte, um seine Flotte zu finanzieren. Die Flotte ist schon lange Vergangenheit, die Sektsteuer jedoch ist geblieben.
Im Laufe des letzten Jahrhunderts tauchte sie immer mal wieder unter anderem Namen auf. Mal hieß sie Banderolensteuer, dann Staffelsteuer, dann Wertsteuer, die übrigens über die Hälfte des Preises einer Flasche Sekt ausmachte. Da haben wir heute richtig Glück: Seit 2002 beträgt die Sektsteuer einen Euro.

Die Bezeichnung „Sekt” stammt vom lateinischen „siccus” = trocken und wanderte über das spanische „secco” und das englische „sack” um 1640 in die deutsche Sprache als „seck” ein. „Seck” beschrieb zu jener Zeit jedoch einen stillen, süßen spanischen Wein, es hatte mit Schaumwein nichts zu tun. 

 
Ludwig Devrient und E.T.A. Hoffmann bei einem "cup of sack"

Ludwig Devrient und E.T.A. Hoffmann bei einem "cup of sack"

 

Es wird erzählt, dass Ludwig Devrient, ein Schauspieler mit französischen Wurzeln und enger Freund E.T.A. Hoffmanns, 1825 in Berlin mit einigen Kollegen nach der Vorstellung in das Weinlokal Lutter & Wegner ging. Da er vorher den Charakter „Falstaff” aus Heinrich IV von William Shakespeare gemimt hatte, zitierte Devrient aus dieser Rolle “Give me a cup of sack, rogue!” (gib mir einen Glas Sack, Schurke!). Bei Shakespeare war damit ein Sherry oder Madeira gemeint. Serviert wurde Ludwig Devrient aber – wie üblich – dessen Lieblingsgetränk, ein moussierender Wein, vermutlich französischer Herkunft. Der erste deutsche Schaumwein entstand wie oben beschreiben erst später. Die Presse griff diesen Versprecher auf und ein neuer Begriff, der Sekt, zunächst in der Form „Seck”, war entstanden. Nach der Reichsgründung 1870/71 durch Wilhelm I verbreitete sich das Berliner Szenewort „Sect” rasch in ganz Deutschland und diente dazu, deutsche Schaumweine von französischen Erzeugnissen, insbesondere dem Champagner, abzugrenzen.

1925 wurde „Sekt” amtlich, nachdem „Champagner” den deutschen Herstellern durch den Versailler Vertrag bereits nicht mehr erlaubt war.

Und wenn Sie das nächste Mal ein Glas Sekt genießen, denken Sie daran, was Falstaff sagte:  „Wenn Sekt und Süsses Laster sind, dann bewahre uns Gott vor den wahren Sünden!”


Nowhere in the world consumes as much sparkling wine, or sekt, as Germany does. But what exactly is sekt, where does the name originate, and what on earth has Shakespeare got to do with it?

On August 4, 1693, Dom Perignion, a monk from Hautvillers Abbey in Champagne, France exclaimed: “Venez mes frères, vite, je bois des étoiles!” (Come quickly, brothers, I am drinking stars!). It was the first evidence of the existence of sparkling wines in France, discovered by chance by a blind winemaker. He had fought all his life against a second fermentation in the bottles of his lovingly prepared wines, but he ended up being delighted by the first “vin mousseux”.

In reality, two decades earlier in England, sparkling wine was already known. It was so popular that it even appeared in a 1667 poem. The English had by then developed glass bottles that could withstand the pressure of fermentation. And they had cork too. In an eight-page document dated December 17, 1662, Christopher Merret noted that wine producers had in recent times started adding sugar and molasses to all types of wines, in order to keep them fresh and make them sparkling. That’s six years before Dom Perignon began to experiment and seventy years before the founding of the first champagne producer in France.

 
Cloister in the Monastry Maulbronn, Germany

Cloister in the Monastry Maulbronn, Germany

 

The German term “Schaumwein” was coined by Johann Gottfried Herder, who translated the French word “mousse” in 1779 into the German word for foam. “La mousse” (moss) is the French description of the moss-like surface which appears in the bottle when the carbon dioxide is released. Who first produced sparkling wine in Germany is less clear. According to some written sources it was a clergyman called Spengler, who produced a champagne-like sparkling wine in the Cistercian monastery at Maulbronn in Württemberg. Other sources state that it was winemaker Peter Gimbel who supposedly served sparkling wine from the electoral winery, for the Elector of Mainz, at a fancy-dress ball held in 1790.

The pioneers of the German sparkling wine production were certainly young winemakers who went to France in order to gain experience in the Champagne region. Some of them stayed there, married or established their own wineries. That’s the reason why so many French champagne producers have untypical names. But most returned to their homeland and founded the German sparkling wine movement.

The oldest sekt producer is Georg Christian Kessler in Esslingen. By 1849 Germany already had 43 producers. Sekt had made a name for itself. In 1872 annual production was four million bottles. The sekt business prospered so much that in 1888 the Frankfurter Zeitung reported “at the peak of Rhenish exporers stands the world-famous Deinhard & Co. in Koblenz, which shipped 87,988 gallons in both barrels and crates to the United States (4,000 gallons more than in 1886)”.

The 1876 World Fair in Paris brought the first gold medal for German sparkling wine - making it a legitimate competitor to French champagne. “Rheingold”, a Riesling sekt made by Söhnlein in Wiesbaden, became known throughout the world.

The German Kaiser, Wilhelm I, was so impressed by Rheingold, that he insisted on using it to launch ships from then on - and for drinking too of course!

Kaiser Wilhelm II had a very different interest in sekt. He introduced a sekt tax because he desperately needed money to finance his navel fleet. The fleet is long gone, but the sekt tax but has remained! Over the last century, the tax has reappeared from time to time under different names, such as excise duty, stage tax, and then ad valorem tax, which incidentally accounted for about half the price of a bottle of sekt. Nowadays we are relatively lucky - from 2002, sekt tax has amounted to just one euro.

The term “sekt” probably comes from the Latin “siccus” meaning dry. It appeared in German in 1640 as “seck” via the Spanish “secco” and the English “sack”. “Seck" was described at the time as a still, sweet Spanish wine and had nothing much in common with sparkling wine. 

 
„Her mit dem Glas Sack, meine Augen zu röten, .... meine Rede muss leidenschaftlich sein”

„Her mit dem Glas Sack,
meine Augen zu röten, ....
meine Rede muss leidenschaftlich sein”

 

The story goes that Ludwig Devrient, a German actor with French roots and a close friend of E.T.A. Hoffmann, went to the Berlin bar “Lutter & Wegner” in 1825 with some colleagues after the theatre. As he had previously played the character Falstaff in Shakespeare’s Henry IV, Devrient exclaimed Falstaff’s words "Give me a cup of sack, rogue!". In Shakespeare’s time this would have meant a sherry or madeira, but Devrient was served with his usual drink, a glass of sparkling wine, probably of French origin. The first German sparkling wine, as described above, only appeared later. The press picked up on the story, and a new term for sparkling wine was coined, initially in the form of “seck” and later “sekt”. After the founding of the German Empire in 1870-71, the fashionable Berlin word “sect” quickly spread throughout Germany, describing German sparkling wines as opposed to their French equivalents, especially champagne. 

In 1925, due to the Treaty of Versailles, “sekt” became an official term when German manufacturers were no longer allowed to use the term champagne. 

So, next time you’re sipping a glass of German sekt, remember what Falstaff said, “If sack and sugar be a fault, God help the wicked!”


Quelle: Auszüge aus Sekt.de/Source: extracted from Sekt.de (translated)

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